Bitte stellen Sie Ihre Schriftgröße ein:              

Kontrastfunktion aktivieren:  

Rad mit besonderer Geschichte: Einst unterwegs mit Erik Zabel, arbeitet Thomas Schönfeld heute als Mediziner in Lohr

(Klaus Werthmann) Das Rad, mit dem Thomas Schönfeld jeden Tag auf die Arbeit fährt, hat einen besonderen Charakter. Etliche Jahre hat der weiße Flitzer mit dem roten Lenkerband schon auf seinem Buckel, doch es ist nicht das Alter, das hervorsticht. Es ist die Geschichte der Rennmaschine, die nur ein Kettenblatt besitzt und damit trotz ihrer aus dem Straßenradsport stammenden Aerofelgen verrät, was sie im Grunde ist: ein Querfeldeinrad.

Dr. Schönfeld Rennrad

(Foto: Klaus Werthmann)

Bis zu Rang 18 bei den deutschen Querfeldein-Meisterschaften 2001 im saarländischen Wadern hat das Rad seinen Besitzer getragen. Damit ist es Teil einer Phase im Leben Schönfelds, die kurz, aber spannend war. Der 46-jährige Arzt war nämlich zwischen 1999 und 2003 als Medizinstudent einer der besten Radamateure Deutschlands, der nicht nur im Winter im Gelände aktiv war, sondern vor allem auf der Straße mehr als 30 Siege errungen hat.

»Nein, wirklich nicht«, antwortet Schönfeld auf die Frage, ob er ein Radsport-Promi war. Es gibt ein Foto, auf dem er mit dem damaligen Telekom-Star Jens Heppner plaudert. Auf einem anderen Bild ist er bei einer Siegerehrung mit dem noch immer aktiven Sprintass André Greipel (Rostock) zu sehen. Auch hat er auf Mallorca mit dem sechsmaligen Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France, Erik Zabel (Unna), trainiert. Und schließlich gibt es einen Zeitungsausschnitt, in dem zu lesen ist, dass Schönfeld 2001 der beste Amateur-A-Kader-Fahrer in ganz Deutschland gewesen sei. Darauf angesprochen, antwortet er: »Ich weiß nicht, ob das so ganz richtig ist.«

Es ist die Bescheidenheit, die Schönfeld auszeichnet. Man könnte seine Karriere, die nur vier Jahre lang dauerte, weil er nach Abschluss des Medizinstudiums den notwendigen Trainingsaufwand nicht mehr leisten konnte, in Ergebnissen, Pokalen und Medaillen definieren. Eine Kiste mit all den Dingen hat er kürzlich, nach etlichen Jahren, extra zur Vorbereitung auf das Gespräch mit unserem Medienhaus wieder aufgemacht. Doch das würde zu kurz greifen. Denn es sind die Erlebnisse auf der Straße, die viel besser geeignet sind, ihn und seinen Sport zu verstehen.

Um Wasser »gebettelt«

Schönfeld weiß, wie es ist, auf dem Rad zu leiden und einen langen Atem zu haben. Beim Großen Weinpreis von Mölsheim (Rheinland-Pfalz) war es einst sehr heiß gewesen. Schönfeld hatte sich für die 150 Kilometer mit drei Radflaschen präpariert, von denen zwei am Rahmen befestigt waren und eine in der Trikottasche lagerte. Nach 20 Kilometern hatte er bereits eine Flasche geleert, eine weitere verlor er, so dass für die verbleibenden 120 Kilometer nur noch eine übrig war. Völlig ausgetrocknet ging er auf die Zwischenprämien und hatte im Finale sogar Siegchancen. Dann machte er etwas, was er niemals zuvor und niemals mehr danach tat: Er bettelte einen Konkurrenten um einen Schluck aus dessen Flasche an. Er bekam den Drink - und gewann das Rennen, obwohl er völlig am Ende war.

»Das gehört dazu, irgendwann ist das vorbei«, sagt Schönfeld einen Satz, der sich auf das Leben übertragen lässt. Weitermachen, auch wenn es schwer fällt. Nicht aufgeben, auch wenn die Situation aussichtslos erscheint. Bilder von solchen hart erkämpften Erfolgen gibt es wenige, weil an die heute übliche Handy-Fotografie nicht zu denken war. So kam es vor, dass Schönfeld Siegersträuße oder andere Präsente an Zuschauer verschenkte, um im Gegenzug ein Foto zu bekommen. Auf den Bildern schaut er genauso aus, wie er sich heute als Anästhesist und Krankenhaushygieniker am Bezirkskrankenhaus Lohr präsentiert: mit klarem Blick und höchst engagiert.

Schönfeld Rad

Dr. Schönfeld Rad

(Foto: Klaus Werthmann)

Tausende Impfungen

Heute sind es sind nicht mehr Hitze und Kälte, steile Berge und kurvige Abfahrten, Kopfsteinpflaster und Wind, mit denen Schönfeld zu kämpfen hat. Dass er sich auf schmalen Reifen mit 90 km/h in Täler stürzt, kann sich der Familienvater nicht mehr vorstellen. Dafür hat er 2018 erfolgreich mit dem Laufen angefangen, weil ihn seine beiden Kinder, die bis dahin fünfmal beim Bambini-Lauf des Lohrer Raiffeisen-Altstadtlaufes mitgerannt waren, aufgefordert hatten, ebenfalls mitzumachen.Auf der Arbeit kommt Schönfeld seine Zähigkeit als Ausdauersportler zu Gute. Denn dort hat es der hagere Mann mit den strahlend blauen Augen unter anderem mit einem Gegner zu tun, der unsichtbar ist, aber das Leben der Menschen seit mehr als einem Jahr beherrscht: die Corona-Pandemie. Rund 2500 Erst- und Zweitimpfungen gegen Covid-19 hat er in diesem Jahr mit seinem Team bei Patienten und Mitarbeitenden schon getätigt.

Exzellenten Ruf erarbeitet

Obwohl Schönfeld erst am 1. April 2020 an die Bezirksklinik gewechselt ist, hat er sich rasch einen exzellenten Ruf erarbeitet. Wenn man mit Mitarbeitenden spricht, wird seine unaufgeregte, freundliche und immer positive Art hervorgehoben. Mag sein, dass dies sein angeborener Charakter ist. Gut möglich ist aber auch, dass er den positiven Blick auf die Dinge im Sport mitentwickelt hat. Denn wer vor Anstrengung fast vom Rad kippt und trotzdem weitermacht, weiß: Irgendwann geht es auch wieder aufwärts.

Ansprechpartner:
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit & Personalmarketing
Lisa Hörnig
Am Sommerberg 21
Tel: 09352 503-20051