Bitte stellen Sie Ihre Schriftgröße ein:              

Kontrastfunktion aktivieren:  

HeadArzt

Gedenktafeln für Simon Strauß und Israelitischer Pavillon

In Erinnerung an Simon Strauß und das ehemalige jüdische Leben in der Heil- und Pflegeanstalt Lohr, heute Bezirkskrankenhaus,  wurden am 13. September 2019 am früheren Israelitischen Pavillon, Sommerberg 43, zwei Gedenktafeln enthüllt. Mit dabei waren auch drei Enkel von Simon Strauß. Die Installation der beiden Gedenktafeln war eine Gemeinschaftsaktion von Stadt Lohr, Bezirk Unterfranken, Geschichts- und Museumsvereins Lohr.

StraußEnkelkinderZwei

Bei der Enthüllung der Infotafel Simon Strauß (Israelitischer Pavillon): von links: Raaya Nadel, Arye Strauß, Sara Nahum, Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel und Bürgermeister Dr. Mario Paul

Eine Tafel am Gartenzaun vor dem Haus 43 am Sommerberg, in dem Simon Strauß von 1924 bis 1939 gewohnt und gewirkt hat, erinnert nun an ihn. Hier befand sich auch die koschere Küche und stellte die Verpflegung der jüdischen Patientinnen und Patienten sicher. Seine Frau Anna führte die Küche als Wirtschafterin bis zu ihrem Tode 1938 ehrenamtlich. Simon Strauß war langjähriger Religionslehrer in Burghaun bei Fulda, betreute die jüdischen Patientinnen und Patienten auch religiös. Ab 1932 war er zudem Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Lohr. Dies war die Zeit zu nehmender Entrechtung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten. Als 71-jähriger erlebte er in der Reichspogromnacht im November 1938 die unsägliche Gewalt gegen die jüdische Gemeinde in Lohr. Dazu gehörte auch die Verwüstung der rituellen Küche in diesem Haus durch die SA und die mehrtägige Inhaftierung von Simon Strauß. Die Küche konnte und durfte nicht weitergeführt werden. Seine Wohnung wurde ihm gekündigt. Im Februar 1939 verließ Simon Strauß Lohr und zog nach Bad Nauheim. Auch die jüdische Gemeinde in Lohr, die er über die so schweren Jahre führte, löste sich unter dem Druck der Verhältnisse bis Ende 1939 auf. Nicht alle Mitglieder konnten auswandern. Auch die Deportation und Ermordung seiner ihm anvertrauten jüdischen Patientinnen und Patienten im September 1940 erlebte Simon Strauß nicht mehr. Er verstarb im April 1940 in Frankfurt am Main.

Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel sprach bei der Gedenkstunde von einem entsetzlichen Unrecht, das man Simon Strauß und Millionen weiterer Juden damals angetan habe. Dieses Unrecht lasse sich nicht wieder gutmachen – man könne aber der Opfer gedenken. Es sei wichtig, die Erinnerung wach zu halten, denn wer sich der „dunklen Stunden und der furchtbaren Kapitel der deutschen Geschichte“ nicht erinnert, sei dazu verdammt, sie zu wiederholen, so Dotzel.

Lohrs Bürgermeister, Dr. Mario Paul, würdigte ebenfalls das segensreiche Wirken von Simon Strauß, der damals rund 70 in Lohr lebenden jüdischen Menschen betreute und Verwalter des Israelitischen Pavillons war. Paul kündigte weitere Schritte in Sachen Erinnerungskultur in Lohr an. Man werde

auch an anderen Stellen in der Stadt an die Schicksale jüdischer Mitbürger erinnern.

Arye Strauß, Enkelsohn von Simon und Sara Strauß, bedankte sich im Namen der Familie für die Erinnerung an die Großeltern. Sie seien gerne nach Lohr gekommen und werden diesen Tag nicht vergessen.

Ansprechpartner:
Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
Am Sommerberg
97816 Lohr a.Main
Tel: BKH Zentrale 09352 503-0
Fax: 09352 503-20000