Allgemeines

 

Die Geburt eines Kindes ist normalerweise ein freudiges, mit vielen positiven Erwartungen verknüpftes Ereignis im Leben einer Frau. Diese Freude kann allerdings durch psychische Störungen in der Zeit nach der Entbindung getrübt werden. Durch Studien ist belegt, dass speziell die Zeit nach einer Entbindung für Frauen das höchste Risiko darstellt, an einer psychischen Störung zu erkranken.

Gut bekannt sind die sogenannten "Heultage", unter denen ungefähr die Hälfte der Wöchnerinnen leidet. Sie stellen eine ganz normale emotionale Anpassungsreaktion der Mutter dar.

In 10 - 15 % der Fälle aber entwickelt sich im weiteren Verlauf von Tagen bis Wochen eine depressive Verstimmung mit Versagensängsten, Schlafstörungen, Antriebsstörungen, Insuffizienz- und Schuldgefühlen.

Ohne Behandlung ist die Erkrankung oft durch einen langwierigen und hartnäckigen Verlauf gekennzeichnet und 40 % der Frauen sind innerhalb eines Jahres ohne Behandlung nicht gebessert. Dies bedeutet nicht nur großes Leid für die Betroffenen selbst, sondern beinhaltet zudem ganz erhebliche negative Folgen für die emotionale und soziale Entwicklung der Kinder. Auch sind die Partnerschaften oft sehr belastet.

Auf diesem Hintergrund entstand 2006 das Konzept zu einer Mutter-Kind-Einheit an unserer Klinik, die eine im deutschsprachigen Raum eher seltene Möglichkeit zur Akutbehandlung psychischer Störungen ohne Trennung von Mutter und Kind ermöglicht.

Indikationen zur Aufnahme

In erster Linie ist die Station für die Versorgung von Frauen mit

  • Wochenbettdepressionen
  • akuten Lebenskrisen
  • Anpassungsstörungen
  • posttraumatischen Belastungsstörungen

konzipiert. In Ausnahmefällen können auch Patientinnen mit einer vorbekannten schizophrenen Psychose aufgenommen werden.

Voraussetzung zur Aufnahme

Die Einweisung ist grundsätzlich über jeden niedergelassenen Arzt oder über unsere Klinikambulanz möglich.

Da unsere Aufnahmekapazität sehr begrenzt ist, kann eine Aufnahme nur nach Anmeldung und Terminabsprache erfolgen. Voraussetzung für diese offen geführte Station ist die Absprachefähigkeit der Patientin und die klare Distanzierung von akuter Selbst- und Fremdgefährdung.

Die Kinder können in der Regel bis zum dritten Lebensjahr aufgenommen werden. Sie müssen körperlich gesund sein.

Kontraindikationen sind

  • Suchterkrankungen
  • schwere somatische Erkrankungen
  • Intoxikationen
  • akute Selbst- und Fremdgefährdung

Das Behandlungsspektrum umfasst im Einzelnen:

  • ausführliche und umfassende Diagnostik
  • ausführliche Information über die Erkrankung
  • Pharmakotherapie
  • bei Bedarf EKT-Behandlung (EKT = Elektro-Krampf-Therapie)
  • psychotherapeutische Behandlung, die sowohl stützende Gespräche als auch modifizierte tiefenpsychologische oder verhaltenstherapeutische Elemente enthalten kann
  • stützende und aufklärende Arbeit mit dem Ehepartner und der Familie
  • Bezugskrankenpflege
  • bei Bedarf  Information über und Vermittlung von Hilfsangebote wie Haushaltshilfe, Familienhilfe, Erziehungsberatung, Jugendhilfe, Selbsthilfegruppen
  • Entspannungsverfahren
  • Sport / Physiotherapie
  • Organisation der ambulanten Nachsorge über niedergelassene Kollegen oder über unsere Institutsambulanz

Eine enge Zusammenarbeit mit Hebammen sowie den gynäkologischen und den kinderärztlichen Praxen am Ort ist im Rahmen der ganzheitlichen Betreuung obligat und gewährleistet bei Bedarf eine fachspezifische und unkomplizierte Behandlung.

Ausstattung der Station

Die Mutter-Kind-Einheit ist integriert in die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Sie ist der Kriseninterventionsstation angegliedert und befindet sich in Haus 40.

Die kindgerechte Ausstattung der Einzelzimmer ist ausgelegt für die Unterbringung eines Kindes.

Für die Kinder kann während der Therapiezeiten eine Betreuung sichergestellt werden, die aber selbst finanziert werden muss. Auch legen wir großen Wert auf die Integration von Mutter und Familie in die Betreuung der Kinder.

Im Personalwohnheim halten wir auf Anfrage ein Zimmer für Angehörige vor. Der Aufenthalt dort muss privat finanziert werden.

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Ansprechpartner:
Oberarzt Ambulanz / Krisenintervention
Dr. med.
Simona Kralik
Am Sommerberg 40
97816 Lohr
Tel: 09352 503-0


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